Darwin vertrat die Meinung, der Mensch
sei ein reiner Fruchtesser. Dafür spricht die Zahnformel sowie die
Anatomie des Darmes und äußerer Extremitäten.
"Der Mensch ist anatomisch nicht
in der Lage, größere Tiere zu erlegen und muss sich insofern einst
rein pflanzlich ernährt haben."
Provegane Ärzte,
Ernährungswissenschaftler, Ernährungsberater, Tierrechtler und
Organisationen wie Peta haben diese These ungefiltert übernommen.
Sie teilen und propagieren sie bei jeder Gelegenheit mit Grafiken und
pseudowissenschaftlichen Erklärungen.
Ich glaube nicht, dass der Zweck die
Mittel heiligt und man deshalb fragwürdige Informationen verbreiten
sollte, die jeder Logik entbehren.
Es scheint für die Befürworter der
These nur zwei Optionen zu geben: Unsere Vorfahren ernährten sich
rein pflanzlich und/oder sie aßen das Fleisch erlegter Wirbeltiere.
Demnach lebte der Mensch einst lokal,
an Früchte gebunden. Als es dort zu eng wurde oder die natürlichen
Ressourcen versiegten, breitete er sich in der Welt aus und ging
(fließend) dazu über, mit Werkzeugen warmblütige Säugetiere zu
erlegen.
Das stellt die Definition frugivor und
omnivor lebender Spezies in ein falsches Licht. Ein reiner
Fruchtesser ist auf bestimmte Fruchtsorten spezialisiert, die
saisonal unabhängig zur Verfügung stehen. Er ist insofern lokal
gebunden, außer Stande, sich über den Bereich des Nahrungsangebots
hinaus zu verbreiten. Der Mensch war jedoch schon immer in der Lage,
Insekten und Weichtiere in großer Zahl zu sammeln und zu verspeisen.
Würmer, Schnecken, Muscheln, Krebse, Amphibien, Vogeleier und Küken
kann er leicht erbeuten.
Sein großes Gehirn hat einen sehr hohen Proteinbedarf und es ist
insofern zweifelhaft, dass er tierische Proteinquellen als sekundär
betrachtete. Sicher kamen nicht erst die Franzosen auf die Idee,
Schnecken, Austern und Frösche auf die Speiseliste zu setzen. Die
Witchetty-Made, eine große Holzbohrerlarve, galt einst als
wichtigste Proteinquelle Australischer Ureinwohner und wird auch
heute noch gern gegrillt.

Trotz der hohen Zahl tierischer
Proteinquellen, die sich dem frühen Menschen bot, behaupten
Mischköstler bei jeder Gelegenheit, dass unser Gehirn nicht ohne
Fleisch seine Größe und Leistungsfähigkeit erreicht hätte.
VeganerInnen verweisen dann auf karnivore Löwen oder Krokodile,
deren Gehirne seit Jahrtausenden gleich groß oder klein bleiben.
Auch Schimpansen jagen regelmäßig
kleinere Primaten und andere warmblütige Tiere.
Warum werden sie nicht schlauer, wenn
sie andere Tiere essen? Was unterscheidet sie von den frühen
Menschen?
Der frühe Mensch hat begonnen, seine
Nahrung über dem Feuer zu garen. Hitze denaturiert (spaltet)
Eiweißketten, welche dann die
>Blut-Hirn-Schranke<
überwinden können.
Die Blut-Hirn-Schranke schützt das
Gehirn vor Stoffen, die in unsere Blutbahn gelangen. Das gilt sowohl
für Dreck als auch für eine Vielzahl von Amino- und Fettsäuren,
sofern sie nicht durch Hitze denaturiert werden. Mit der
denaturierten Nahrung wurde also eine große Menge an Nährstoffen
für ein großes Gehirn gewährleistet. Ein evolutionärer Vorteil.
Mit unserem Schwarz-Weiß-Denken
unterstellen wir dem frühen Menschen, nur Leichen gegrillt zu haben,
jeden Tag Barbecue, bis jemand zufällig das Brot erfand.
Als Jäger und Sammler grillte, röstete
und garte der frühe Mensch sicher einen Großteil von dem, was er
fand. Knollen, Triebe, Nüsse, Samen, Krebse, Muscheln, alles wurde
mal im erhitzten Zustand getestet und das Meiste für gut befunden.
Es macht keinen Sinn, sich drüber zu
streiten, wie sehr das Fleisch erlegter Tiere als Eiweißlieferant
ins Gewicht fällt. Das Feuer ist der wesentliche Aspekt für das
Wachstum unseres Gehirns, nicht die Leichenteile.
Leider wird nicht nur der Mensch
fälschlicherweise als reiner Fruchtesser betitelt, auch
Menschenaffen müssen dafür herhalten und werden gern als proveganes
Argument verwendet.
Wenn ich Menschenaffen erhöhe, indem
ich ihnen etwas Positives andichte, ist das "positiver
Speziesismus" (analog zum "positiven Rassismus" ->
schwarze Menschen können schnell laufen, toll singen, haben "den
Längsten", etc.).
Man weiß seit langer Zeit, dass
Gorillas regelmäßig Termiten, Ameisen und andere Insekten fangen
und verspeisen. Auch Eierklau und Kannibalismus
>wurden
festgestellt<. Orang Utans ernähren sich unter Anderem
>von
Insekten<, Schimpansen jagen im großen Stil
>Säugetiere<
und das gilt auch für die beliebten Bonobos.
Der Verzehr anderer Tiere ist für wild
lebende Menschenaffen ernährungsphysiologisch relevant und so bleibt
die Frage, warum sich die Mär vom veganen Gorilla dennoch so
hartnäckig hält.
Es ist wohl schmeichelhaft, sich mit
einem so kraftvollen Tier zu vergleichen.
Die Gewissheit, dass wir nicht auf den
Verzehr anderer Spezies angewiesen sind, sollte uns eigentlich
reichen.
Wir können locker vegan leben, ohne
uns etwas anzudichten, ohne uns zu romantisieren, Eitelkeiten zu
pflegen und biologische wie evolutionäre Fakten nach unseren
Vorstellungen zurechtzubiegen.
Wenn wir wollen, dass man uns ernst
nimmt, sollten wir keine Märchen erzählen, selbst wenn sie von
Darwin stammen.
Wir sind Frucht- Frosch- und
Schneckenfresser mit einem großen Gehirn, das kritisch denken kann,
mit einem Gewissen und moralischen Optionen, die wir nutzen können.
Text und Illustrationen: Schlunz