Freitag, 22. August 2008

"Wahnsinnige und Mörder"

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Ich berufe mich in meinem Blog oft auf Achim Stößer.
Der Text unter der Überschrift "Vegetarier sind Mörder" ist gut, treffend und unumstößlich..
Dennoch möchte ich mal klarstellen, wovon ich mich distanziere, was mich nervt und was meiner Meinung nach echt nicht sein muss.
"Antithesimus.de" und "Raucher sind Mörder" schießen sehr weit am Ziel vorbei...

Ich beginne mal mit "Raucher sind Mörder":
Auf dieser Seite kann man ne Menge darüber erfahren, was das Rauchen anrichtet und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Es kann nicht sein, dass Kinder, Tiere und nicht rauchende Menschen den Auswirkungen des Tabakkonsums ausgesetzt werden.
Leider wird auf Herrn Stößers Seite lediglich angeprangert und verurteilt.
Er vergisst, dass er es mit mit Suchtkranken zu tun hat.
Wer das Buch "Endlich Nichtraucher" von Allen Carr gelesen hat, weiß, dass dieser Mann am Ende war, bevor er es endlich schaffte, mit dem Rauchen aufzuhören.
Sein Körper, seine Psyche, sein Selbstvertrauen... Ein elender Kettenraucher, dem nicht mal Hypnose half.
Er beschreibt sehr ausführlich, wie das Nervengift "Nikotin" auf Psyche und Physis wirkt und wie er nach unzähligen Versuchen endlich die Kurve kriegte.
Mittlerweile starb er an Lungenkrebs.
Sucht ist eine Krankheit. Würden Spielsüchtige ihren Mitmenschen schaden, so wäre es doch sinnlos, sie nur zu verurteilen und ihnen lediglich die Auswirkungen ihrer Sucht, statt Therapiemöglichkeiten zu zeigen.
Wer sich mit dem Thema Sucht befasst, sollte die psychische Individualität von Menschen berücksichtigen.
Die verschiedensten Suchtcharaktere erfordern Seminare, Kurse, Therapien mit Psychologen und Therapeuten.
Diese Menschen gehen auf die Drogis zu (und zu denen gehören auch Raucher), statt sie zu verschrecken.
Von einer Sucht loszukommen, ist nicht so leicht, wie auf Tierleidprodukte zu verzichten und wer nie einer Versuchung erlag, kann sich deshalb nicht über andere erheben.
Wer mal von irgendwas abhängig war, kommt jedenfalls nicht auf diese Idee.
Allenfalls ein CDU Politiker, auf den sich Herr S. unter Anderem beruft:
"Die Zigaretten, wie sie heute angeboten werden, sind gemeingefährliche Mordinstrumente." Karl-Heinz Florenz (CDU)
Damit wird Leuten wie Allen Carr wunderbar geholfen.
Genauso geistreich und pauschal, wie die Aussage von SPD-Senator Sarrazin, man könne sich von 4,25 Euro pro Tag "sehr gut und ausgewogen" ernähren...
Das hat er mit seiner Frau im Urlaub ausprobiert und in der Diskussionsrunde von Anne Will legte er zur Demonstration eine spartanische "Mahlzeit" mit billiger Wurst auf den Tisch.

Ähnlich hält es Herr Stößer mit dem gelebten "Antitheismus", der ihn dazu berechtigt, jeden Menschen, der an etwas glaubt, als "Wahnsinnigen", "Psychopathen", "Soziopathen", "potenziellen Bombenleger und Selbstmordattentäter", etc. zu beschimpfen.
Nicht Religion und Dogma werden in Frage gestellt (was bei all dem Leid, welches im Namen der Religion verübt wird, durchaus Sinn machen würde), sondern der Glaube an sich.
Und das nicht philosophisch, sondern anprangernd.
Dabei beruft sich Herr S. auf die Vernunft, ohne zu bemerken, wie unvernünftig es ist, alle Formen des Glaubens, seien sie metaphysisch, religiös oder durch das Interesse an extraterrestrischen Lebensformen motiviert, in einen Topf zu werfen.
Wer sagt, es gäbe nichts, wo andere etwas vermuten, lehnt sich sehr weit aus dem Fenster, solange er seine Behauptungen nicht beweisen kann.
Ich möchte nicht über den geistigen Zustand eines Menschen urteilen, der meint, von Wahnsinnigen und Mördern umgeben zu sein und über diese richten zu können, ich bin kein Psychologe, doch ich möchte mich hiermit ausdrücklich von Herrn Stößer und Maqi distanzieren.
Das kommt ihm sicher recht, denn nach seiner Aussage schade ich den Tierrechten allein durch den Umstand, ein Theist zu sein.
Somit ist Ethik Sache jener, die nicht glauben oder ihren Glauben verloren/abgelegt haben.
Der Rest der Menschheit besteht aus Verrückten, die ihren Wahnsinn planen und Menschen indoktrinieren. "Wir sind Borg!"
Naja... Wenn man nur in Analogien denkt, kommen viele Mörder zusammen... Alles Mörder...
Sicher, unter Mördern fühlt man sich nicht wohl und dann muss man was tun...
Aber gewisse Aspekte sind doch differenzierter zu sehen (siehe oben).
Ich komme weiterhin nicht auf die Idee, in tierrechtsrelevanten Medien und Foren theistische oder metaphysische Aspekte als Argument für Ethik einzubringen.
Das wäre unethisch.
Niemand hat das Recht, kausale Aspekte anderer Menschen und Tiere zu beurteilen.
Und ein "ethisches Verhalten" wegen persönlicher kausaler Aspekte wäre kein ethisches Verhalten.
Es wäre Egoismus.
Der Rest nennt sich Demokratie.
Jeder Mensch hat das Recht zu denken, zu fühlen und zu glauben, was er will und jeder Mensch hat das Recht, sich zu äußern.
Ich denke, vor dem demokratischen Denken steht die Toleranz.
Auch Demokratie und Toleranz gehören zur Ethik.
Man muss abwägen, statt zu verallgemeinern. Letzteres ist natürlich leicht, man schafft klare Fronten und hat immer ne Analogie auf Lager, doch ich muss sicher nicht betonen, wohin Verallgemeinerungen führen.

Und was ich glaube, ist meine Sache. ;o)

Insofern mit besonderer Empfehlung: Goethe

LG, Schlunz


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Sonntag, 17. August 2008

"Die Wiege der Ethik"

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Science Fiction Roman von Schlunz

Download (PDF)







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Freitag, 8. August 2008

Ich bin kein Tierfreund

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Freundschaft ist ein schweres Wort.
Freundschaft will geprüft sein.
Sie entsteht meist über viele Jahre, in denen sie von beiden Seiten durch Einsatz und Hingabe bestätigt wird, bis sie ihre Wertigkeit erhält.
Freundschaft beinhaltet Vertrauen und Offenheit.
Bis dahin reden wir von "Kumpels", von "Bekannten" oder "potenziellen Freunden".
Tun wir das nicht und bezeichnen jemanden als Freund, den wir gerade erst kennen gelernt haben, so nehmen wir diesem Individuum sein Mitspracherecht.
Vielleicht weiß dieser Jemand gar nicht, wie er uns einschätzen soll, ob man uns vertrauen kann und ob das Wort "Freundschaft" nicht nur eine leicht dahingesagte Floskel ist.
Vielleicht passt diesem Jemand unsere Einstellung nicht, ethisch, sozial, politisch, theistisch...
Deshalb sollte Freundschaft immer beiderseitig besiegelt werden.

Wir definieren Freundschaft über Loyalität, Einsatz, Verständnis und Hingabe, nicht über Smalltalk und Oberflächlichkeiten.
Insofern bringt mein Hund bis auf das tiefere Verständnis doch viele Eigenschaften mit, die eine Freundschaft bestätigen.
Auch, wenn ihm jegliche Definition egal ist, sage ich mal: "Wir sind Freunde".
Und nun? Nun stehe ich unter der Verantwortung, ihn nie zu verarschen, immer für ihn da zu sein, ihn nicht im Stich zu lassen...
Diese Verantwortung sieht er für sich selber nicht. Für ihn gibt es nur das hier und jetzt und keine Definition der Freundschaft, die sich über Verantwortung und Schuld definiert.
"Freundschaft" ist hier insofern ein wackeliger Begriff.
Der Eine weiß eventuell nicht, ob er sie immer aufrechterhalten kann, der Andere weiß nicht mal, was das ist.

Dennoch fühle ich Freundschaft für meinen Hund und genauso tue ich es mit Menschen.
Warum empfinde und teile ich dieses Gefühl?
Weil ich diese Individuen kenne und sie mich kennen.
Ich habe ihre Eigenschaften kennen gelernt und ich habe Positives mit ihnen Erlebt, das eine freundschaftliche Definition rechtfertigt.
Wie sieht es mit anderen Menschen aus?
Bin ich ein Freund von George W. Bush? Von Schäuble, Merkel, Steinmeier und Koch?
Wollen die meine Freunde sein?
Hmm... Waren nur ganz wenige Beispiele... Man kann zwischen Diktatoren und Massenmördern seiner Phantasie freien Lauf lassen oder sich einfach klar machen, wieviele Leute man nicht leiden kann.
Die Welt ist groß.

Bin ich ein Menschenfreund?
Bist Du ein Menschenfreund?

Und was ist mit dem Hund der Nachbarn, der die ganze Familie im Griff hat und jeden Menschen im Haus anknurrt?
Ich gestehe mir zu, dass es auch nichtmenschliche Tiere gibt, die ich nicht leiden kann.
Da stimmt einfach die "Chemie" auf beiden Seiten nicht und das sollte man genauso akzeptieren, wie man es zwischenmenschlich tut.
Das spüren Mensch, Hund, Katze, Maus sehr schnell und sie gehen sich aus dem Weg.

Und was ist mit dem Käfer, den ich aus Versehen platt trete?
Will der mein Freund sein?
Und was ist mit den Milliarden "Nutztieren", die sich für meine Spezies die Beine in den Bauch stehen, bis sie deputiert und hingerichtet werden?
Wollen die alle meine Freunde sein? Ich denke, die haben andere Probleme...

Bin ich ein Tierfreund?

Schon allein deshalb, weil ich sie nicht alle aus ihrer Hölle befreien kann, bin ich nicht ihr Freund.
Ich bin lediglich für jedes Individuum ein potenzieller Freund, der Rest ist Sache der äußeren Umstände und des freien Willens auf beiden Seiten.
Ansonsten ist "Freundschaft" nur eine Floskel...
Deshalb lehne ich die Verallgemeinerung "Tierfreund" ab.
Schnell dahingesagte schwere Worte, die leider allzu oft von Menschen benutzt werden, die Tag für Tag Tiere ausbeuten.
Mit dem Begriff "Tierfreund" wurde schon unglaublich viel Geld gescheffelt.
Und zwar gerade dort, wo es sich um den Verzicht auf Leichenteile (Vegetarismus) oder um "Haus" - und "Kuscheltiere" handelt.
"Tierfreund" sein, bedeutet Ablass leisten.
Kein Wunder, dass man nirgends, wo man nach dem Begriff "Tierfreund" sucht, Hinweise auf Veganismus findet.
Nicht mal bei "Ein Herz für Tiere"... Meine selige Mama hat mir das immer mitgebracht, als ich noch klein war und die haben sich nicht verändert. Nur Hunde, Katzen, Goldhamster und ein Bisschen Artenschutz...
Eins haben die alle nicht begriffen:

Um jemanden nicht umzubringen, muss ich nicht sein Freund sein.




Schlunz


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